Projekte

Das Schweigen meines Vaters – Hörbuchprojekt mit dem Sujet-Verlag

Madjid Mohit vom Sujet- Verlag initiierte eine Hörbuchreihe einiger in seinem Verlag erschienenen Büchern. Astrid Müller liest den Roman „Das Schweigen meines Vaters“ von Doan Bui.

Die Autorin und der Roman

Doan Bui wurde 1978 als Tochter einer nord- und südvietnamesischen Familie in deren Exil in Paris geboren. Als Chefreporterin der Wochenzeitschrift „Le nouvel observateur“ schreibt sie viel beachtete Reportagen. Für eine Reportage über die Migration von Menschen, die über die Türkei und Griechenland nach Europa gelangen wollen, wird sie mit dem Albert – Londres – Preis ausgezeichnet.

Die Autorin steigt mit ihrem ersten biografischen Roman tief ein in die Geschichte ihrer Familie.

Sie selbst fühlt sich als Französin und versteht das Verhalten ihrer Eltern oft nicht. Die Mutter besuchte als privilegiert Tochter reicher Südvietnamesen ein französisches Gymnasium in Saigon, während der Vater fast nichts über die genauen Umstände seiner nordvietnamesischen Wurzeln erzählt. Das funktioniert, weil die Familie sich auch nicht besonders dafür interessiert. Man will „französisch“ sein und dort akzeptiert werden. Als der Pathologe plötzlich einen Schlaganfall erleidet und sich nur noch mit zwei Vokalen artikulieren kann, begreift die Autorin allmählich, wie wenig sie von diesem Vater weiß. Sie, die als Journalistin für den Nouvel Observateur gearbeitet und unendlich viele Reportagen über Migranten recherchiert und veröffentlicht hat, beginnt nun professionell die eigene Familiengeschichte zu recherchieren.

Dabei lenkt die Autorin den Blick der Leser auch auf Alltagsschwierigkeiten, die jegliche Art von Migranten haben können. Hier wird das Buch besonders dicht, persönlich berührend und weist über die persönliche Migrationsgeschichte hinaus.

Doan Bui schreibt in kurzen Kapiteln, teils unterbrochen von Whatsapp-Dialogen, die die Geschwister quer durch die Welt führen, dann wieder intensive Texte, in denen sie sich selbst als zwischen den Kulturen Schwimmende reflektiert. Mit einer Familienreise in das (nord-)vietnamesische Dorf der Bui baut sie Brücken zwischen den Kulturen, zwischen Gesunden und Beeinträchtigten und vor allem Brücken für sich selbst. Sie kann ihre eigene Identität auch als Teil dieser überraschenden Familie finden und sich versöhnen.

Gefördert durch: KARIN UND UWE HOLLWEG STIFTUNG